Seit 24. Mai läuft die Dokumentation "I want to run" in den deutschen Kinos: eine 90-minütige Dokumentation über das "härteste Rennen der Welt", den Transeuropalauf. Laufen-in-stuttgart.de hat sich den Film für euch angesehen.

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Es gibt nicht viele (Kino)-Filme, die das Laufen in den Mittelpunkt stellen. Spontan fallen mir der durchaus spannende Kinofilm "Lauf um dein Leben - vom Junkie zum Ironman" ein (der auf einer wahren Geschichte basiert) oder der aus laufsportlicher Sicht interessante Film "Spirit of the Marathon" über 5 Marathonis (Amateure und Profis, z.B. Deena Kastor) und ihre harte Vorbereitung auf den Chicago Marathon, mit Ausflügen in die Historie des Marathons. Beides spannende Filme auf ihre Art. Die Doku "I want to run" liegt irgendwo zwischen diesen beiden Filmen.

Acht der rund 70 Starter werden über die Distanz von 4.500 km vom Start in Bari in Süditalien durch 7 Länder bis zum Nordkap in Norwegen mit der Kamera begleitet, u.a. auch Elke Streicher, Ultraläuferin aus Gerlingen bei Stuttgart und Joachim Hauser aus Dettenhausen. Alle acht Portraitierten bringen persönliche Höchstleistungen und gehen mehrfach über ihre körperlichen und psychischen Grenzen. Sie erleben den Lauf über 64 Etappen an 64 Tagen aber völlig unterschiedlich und gehen mit höchst unterschiedlichen Zielen und Erwartungen in das Rennen. Und genau das macht den Film so spannend. Es geht für die gezeigten Läuferinnen und Läufer weniger um den Wettkampf, das Erreichen eines guten Platzes und das Verlängern des Ausrüstervertrages, sondern viel mehr um mentale Stärke, permanente Selbstmotivation, sich immer weiter zu quälen, wo andere längst psychisch und physisch aufgeben würden und nur auf die Signale ihres Körpers achten. Wer nach 64 Etappen von durchschnittlich 70 Kilometern (maximal 90km/Tag) am Nordkap tatsächlich ankommt (45 haben es immerhin geschafft), hat Grenzerfahrungen hinter sich gebracht, für die ein fitter Körper allein nicht ausreicht. So startet ein Läufer auch im Kampf gegen die schwere Krankheit MS und versucht den Schwund seiner Muskeln durch das extreme Laufen zu verlangsamen, eine echte Tortur, auch für den Zuschauer, der diese Emotionen, diese Höhen und Tiefen, sehr gut miterleben kann.


Es ist kein Film, indem man lernt, wie man sich am besten auf einen Extremlauf vorbereitet, denn die tlw. jahrelange Vorbereitung der Läufer auf dieses Rennen (Startgebühr: 6000 EUR!) wird in den Interviews von den Teilnehmer nur angedeutet. Es geht viel mehr um die Emotionen und Belastungen während des Laufes, das Gefühlschaos der Teilnehmer und vor allem um die Mittel und Wege sich ständig und jeden Morgen erneut zu motivieren an den Start zu gehen. Man bekommt ein Geführl, wie es wohl sein kann, wenn man die eigenen mentalen und körperlichen Grenzen überschreitet. Eine tolle Erfahrung für das eigene Läuferleben und für das Leben insgesamt. Da sich keiner der Teilnehmer vollumfänglich auf ein solch verrücktes Rennen vorbereiten kann, erleben alle Neuland auf dieser Reise durch Europa, bei der man als laufender Kinobesucher danach am liebsten die Schuhe binden möchte und losrennen will. Und kommt beim nächsten Rennen der Mann mit dem Hammer, ein fieser Schweinehund oder nur ein Wadenkrampf, dann denke ich an die acht Teilnehmer und ihre Motivation. Dann sollte sich jeder schwere Kilometer beim nächsten Volkslauf etwas leichter anfühlen, sich sogar in Luft auflösen. Der Film macht nicht Lust auf das Extreme (nach dem Motto: "nur wer hart zu sich selbst ist, ist ein guter Läufer"), er macht eher Lust aufs Laufen, Lust auf das Leben. Zu was Menschen im Positiven alles fähig sind und erreichen können, dafür ist "I want to run" ein motivierendes Beispiel.


  • Mehr zum Film unter "I want to run".
  • Der Film läuft derzeit im Stuttgarter Raum nur im Kino Delphi in Stuttgart (Mittwoch, 30.5. um 18:30, ab Donnerstag um 18:10).

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